III. Stahlstein-Decken auf Schalung.
b) Vergossene Stahlsteindecken.
Das Vergießen der Stahlsteindecken mit dünn angemachtem Mörtel an Stelle des Vermauerns wird als billiger angesehen als das Vermauern. Wenn aber nur die zum Vermauern bestimmten Ziegel trocken versetzt und vergossen werden sollten, bestände die Gefahr, daß die Fugen in der Druckzone nicht gut verfüllt würden. Damit würde eine unzureichende Druckplatte entstehen, und es könnten obendrein die Hohlräume voll Mörtel laufen und die Decke zu schwer machen. Für vergossene Stahlsteindecken müssen daher die Hohlziegel so ausgebildet sein, daß Gewähr für eine voll vermörtelte Druckplatte besteht.
Die große Anzahl von hierfür angebotenen Steinformen ist fast ausnahmslos nach nur drei Grundformen verschieden: Einmal ist die Stirnseite so ausgeklinkt oder abgeschrägt, daß in Dicke der Druckplatte eine breite, sicher zu füllende Fuge entsteht (Bild 5), zum anderen haben die Steine auf der Oberseite Leisten und Rillen, die sich bei abwechselndem Verlegten der Steine wechselseitig versetzten und nach dem Vergießen der Rillen eine geschlossene Platte aus Ziegel und Mörtelstreifen bilden (Bild 6), oder es werden drittens abwechselnd höhere und niedrigere Steine versetzt, die nach dem Vergießen eine ähnlich gestaltete Oberfläche ergeben, wie sie bei den vorher beschriebenen Ziegeln mit Rillen und Leisten entsteht (Bild 7). Aus der großen Zahl der Ziegelformen hat der Normenausschuß u. a. die in Bild 8 dargestellten Formen entwickelt oder ermittelt (DIN 4159), die alle Vorzüge der vielen anderen Formen in sich vereinigen und die Lösung darstellen sollen. Wegen bestimmter Fertigungsschwierigkeiten ist kein Beispiel für Ziegelformen mit abgeschrägter Oberseite oder mit ausgeklingter Stirnseite in die Normen übernommen worden, obgleich es auch hierfür bewährte und langerprobte gute Muster gibt. Die Bestform einer Decke nach diesem Grundsystem braucht nur noch durch Ermitteln der günstigsten Steinhöhe oder Deckendicke und des günstigsten Stahlquerschnittes errechnet zu werden.
Neben den vorbeschriebenen Decken werden seit vielen Jahren auch Decken aus Fertigteilen ausgeführt, die ohne Schalung aber in der Art bewehrter Stahlbeton- oder Stahlsteinbalken aufgebracht und dann durch Ortsbeton untereinander oder mit eingeschobenen Platten bzw. Hohlkörpern zu einer ordentlichen Decke ergänzt werden. Mit dem beginnenden Holzmangel und der Knappheit an Schalholz hat sich eine rege Erfindertätigkeit dieser Bauarten besonders angenommen, zumal da hier auch noch Normen oder leitende und einschränkende Bestimmungen fehlten. Erst die DIN 4225 brachte Grundregeln und Sonderbestimmungen für die Ausbildung der Decken, z. B. für die Herstellung, Bewehrung, Bemessung, Lagerung und den Einbau von Fertigbauteilen aus Stahlbeton; die Formen der Bauteile im einzelnen aber waren noch nicht festgelegt. Hier also mußte für den Vergleich zuerst aus der großen Anzahl von Vorschlägen die Bestform ermittelt werden.
