Neben dem Innenraumklima und der Beleuchtung ist auch die Akustik entscheidend dafür, ob wir uns in einem Raum wohlfühlen und leistungsfähig sind. Ein hoher Geräuschpegel etwa am Arbeitsplatz oder Lernort mindert die Konzentrationsfähigkeit und kann gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Doch wie lässt sich eine optimale Raumakustik planen und gestalten? Eine Rolle spielen die Raumaufteilung und die Flächennutzung. Darüber hinaus kann und sollte man schallabsorbierende Maßnahmen treffen; viele Hersteller bieten entsprechende Lösungen für Wand und Decke an. Einige besonders interessante Neuentwicklungen stellt dieser Beitrag vor. Zunächst aber lohnt ein genauer Blick auf die Grundlagen, die bei der Planung der Raumakustik zu erwarten sind.
Normative Grundlagen
Bisher galten in Deutschland drei wesentliche Normen für die Raumakustik: Die DIN 18041 zur Hörsamkeit in Räumen, die DIN EN ISO 3382 – sie legt die Verfahren zur Messung von Nachhallzeiten in Räumen fest – und die VDI 2569, die sich mit dem Schallschutz und der akustischen Gestaltung von Büros befasst. Dem letzteren Thema widmet sich auch die jüngst erschienene Norm ISO 22955:2021-05 (Akustik – Akustische Qualität von offenen Büroräumlichkeiten). Im Unterschied zu den aktuell gültigen Normen lassen sich mit dieser neuen Regelung offene Büroflächen aktivitätsbezogen gestalten, und zwar mithilfe messbarer akustischer Komponenten. „Mit der Veröffentlichung der Norm wurden Planern von offenen Bürolandschaften neue Werkzeuge zur raumakustischen Gestaltung zur Verfügung gestellt“, erläutert Achim Klein, Konzeptentwickler für Raumakustik bei Ecophon. „Für das kollaborative als auch für das fokussierte Arbeiten lassen sich damit gute raumakustische Qualitäten schaffen. Das wird den Nutzern zugutekommen und dem Thema Raumakustik in der Architektur weiter Auftrieb verleihen.“
Open-Space-Lösungen
Um akustisch voneinander getrennte Bürozonen zu bilden, gleichzeitig aber den offenen Raumeindruck zu gewährleisten, bietet sich der Einsatz schallabsorbierender mobiler Trennwände in Kombination mit entsprechenden Deckensystemen an. Letztere absorbieren den störenden Direktschall am Entstehungsort. Ein solches System ist der Ecophon Akusto Screen. Die Abmessung des Elements beträgt 1500 × 1200 mm mit einer Stärke von 40 mm. Es hat einen Aluminiumrahmen und übernimmt zwei Funktionen, die der Schallabsorption und der Schalldämmung durch seinen harten Kern. Den heutigen Anforderungen an die Hygiene entsprechend ist die Oberfläche der Stellwand beständig gegenüber Desinfektionsmitteln. Aber auch mit raumhohen Glaselementen in Verbindung mit Wand- und Deckenabsorbern lassen sich Büros akustisch zonieren und die Raumakustik dadurch verbessern. Durch die horizontale Anordnung der Absorberelemente bleibt die Transparenz des Raumes erhalten, wie das System 7400 von Strähle zeigt. Mit den flexibel konfigurierbaren Wandelementen sind vertrauliche Arbeitsbereiche mit Normschallpegeldifferenzen Dn,T,w 27 dB realisierbar. Die Nachhallzeiten in den einzelnen Bürozonen können jeweils auf die dortige Tätigkeit abgestimmt werden. Aufgrund eines speziellen Schichtaufbaus decken die mikroperforierten Metallkassettenabsorber einen Frequenzbereich von 100 bis 5000 Hz ab. Darüber hinaus ist, wie Urban Stallbaumer, Arbeitsplatzexperte bei Strähle, ergänzt, „durch den Einbau von System 7400 nahezu die bau-akustische Qualität einer ge-schlossenen, einfach ausgeführten Systemtrennwand mit 10 mm Einscheiben-Sicherheitsglas inklusive Ganzglastür erreichbar.“
Gestalterische Anforderungen
Akustiklösungen für den Innenausbau können noch so gut funktionieren – sie müssen auch gestalterischen Anforderungen gerecht werden. Ein Beispiel sind die Deckensegel und Wandabsorber aus Holzwolle von Knauf Ceiling Solutions. Wegen ihrer offenporigen Struktur haben die Akustikplatten der Serie Heradesign Creative eine hohe schallabsorbierende Wirkung, bieten aber gleichzeitig eine große Gestaltungsfreiheit. Jüngst um drei Designlinien erweitert, basiert die Serie Creative Module auf sieben verschiedenen Standard-Einzelmodulen im Raster 300 mm und 600 mm. Verfügbare Modul-Geometrien sind unter anderem Dreieck, Quadrat und Rechteck. Elementgrößen, -formen und -farben der Akustikplattenserie können miteinander kombiniert werden. Außerdem gibt es verschiedene, mittels Oberflächenfräsung hergestellte Muster. Platten der Design-linie Creative line lassen sich mit unterschiedlichen geometrischen Linienstrukturen, aber gleichen Fräsbreiten aneinanderfügen. Bei Platten der Anwendung Creative effect mit der Oberfläche Heradesign Micro beispielsweise werden nicht nur Linien, sondern auch Nuten in die feinporige Oberflächenstruktur gefräst. „Je höher der Anteil der eingefrästen Muster, umso besser das Absorptionsverhalten der Platte“, erklärt Andreas Blümel, Technical Manager Wood Wool bei Knauf Ceiling Solutions. „Das hängt damit zusammen, dass die besser absorbierende Holzwollestruktur im Bereich der Fräsungen hervortritt und so akustisch wirksam wird.“
Akustik und Klima
Zur Erhöhung der thermischen Behaglichkeit kommen in Büro- und Gewerbebauten Heiz- und Kühldecken zum Einsatz. Akustikspezialisten wie Ecophon und Owa haben nun Lösungen entwickelt, die die beiden Funktionen Raumtemperierung und Raumakustik verbinden. Die Systemlösung Ecophon Solo Matrix Celsius von Ecophon und der schwedischen Firma Lindab besteht aus zwei optisch nahezu identischen und frei kombinierbaren Komponenten, den Strahlungspaneelen zur Kühlung und Heizung mit Aluminiumfrontplatte sowie den Glaswolle-Akustik-Deckensegeln. „Ein Pluspunkt des Systems ist die Effektivität der Wärmeübertragung. Das wasserführende Rohr ist über ein spezielles Laserschweißverfahren am Paneel befestigt. Es tritt so kein Wärmeverlust auf wie in herkömmlichen Systemen“, erklärt Achim Klein von Ecophon und ergänzt: „Die Akustikpaneele sind höchstabsorbierend und sorgen so für optimale Sprachverständlichkeit.“ Weitere Eigenschaften dieser integrativen Lösung sind ihr geringes Gewicht, die relativ geringe Konstruktionshöhe von 129 mm und die Möglichkeit der Revisionierbarkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es das System in der Farbe Weiß.
Eine ähnliche Strategie verfolgt Owa mit der Owactive-Mineralklimadecke, einer abgehängten Unterdecke nach DIN EN 13964. Auch sie vereint Klimatisierung und Raumakustik in einem System. Allerdings befindet sich die Klimatechnik vollständig und systemtechnisch abgeschlossen im Bandraster der Energieschienen aus Aluminium-Strangpressprofilen, während sich die Deckenfläche aus akustisch wirksamen Mineralplatten zusammensetzt. Deren Schallabsorptionswert αw liegt zwischen 0,7 und 1,00. Wegen seiner bautechnischen Funktionen – Mineralplatten erfüllen neben der Schallabsorption auch hohe Anforderungen an Brandschutz und Feuchtebeständigkeit – lässt sich das Raumklimasystem in Räumen ganz unterschiedlicher Nutzung einsetzen; außerdem zeichnet es sich durch eine hohe Flexibilität in der Gestaltung aus. Zu sehen ist dies unter anderem in einer Arztpraxis in Bad Mergentheim. Rund 175 m2 wurden dort mit der Owa-Mineralklimadecke, bestehend aus vlieskaschierten Mineralplatten Sinfonia und wasserführenden Energieschienen, ausgestattet.
Nachhaltigkeitsziel Akustischer Komfort
Nach dem Bewertungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit (DGNB) gilt ein Gebäude dann als nachhaltig, wenn seine Gesamtperformance stimmt. Dies wird unter anderem nach den Kriterien der soziokulturellen und funktionalen Qualität bestimmt, zu dem auch der akustische Komfort zählt. Wenn also Räume akustische Eigenschaften vorweisen, die der vorgesehenen Nutzung entsprechen und der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Menschen zuträglich sind, die sich darin aufhalten, dann ist das auch im Sinne einer Architektur, die das Attribut nachhaltig verdient.
