Derart unauffällig und bescheiden versteckt sich der kleine Pavillon in einer Baulücke an New Yorks lauter und in ihrer Erscheinung ausgesprochen heterogener Houston Street, dass er von den meisten Passanten – außerhalb der belebten Veranstaltungen – glatt übersehen wird. Wer würde ausgerechnet die Guggenheim Foundation mit einer solchermaßen zurückhaltenden Architektur in Verbindung bringen – eine Institution, die über Jahrzehnte durch spektakuläre Museumsbauten auf sich aufmerksam macht, angefangen bei Frank Lloyd Wrights berühmter Zentrale an der Fifth Avenue (1959) über Frank Gehrys expressive Großskulptur in Bilbao (1997) bis hin zu dessen jüngsten Entwürfen für die Filiale der Organisation in Abu Dhabi. Für ihre neue, Anfang August in Manhattans East Village eröffnete Ideenwerkstatt aber wollten die Kuratoren ausdrücklich kein ikonographisches Bauwerk, sondern eine leichte, offene und mobile Struktur. Yoshiharu Tsukamoto und Momoyo Kaijima vom japanischen Büro Atelier Bow-Wow erschienen ihnen dafür die geeigneten Architekten. Das BMW Guggenheim Lab, das vom Guggenheim Museum unabhängig bespielt und von dem bayerischen Autohersteller unterstützt wird, versteht sich gleichermaßen als urbane Ideenschmiede und öffentliches Forum. In allgemein zugänglichen Veranstaltungen sollen hier Probleme und Herausforderungen des städtischen Lebens thematisiert werden. Das Programm ist auf sechs Jahre angelegt. In dem ersten der drei geplanten Zyklen wird das Lab (im Anschluss an New York) im Frühjahr 2012 auf dem Pfefferberg in Berlin und anschließend in Mumbai Station machen, bevor ihm für die darauffolgende Phase von anderen Architekten einen neue Gestalt verliehen wird. Neun angesagte Metropolen im Umbruch wird es auf diese Weise durchlaufen, um vor Ort auf brennende urbane Themen aufmerksam zumachen und zu versuchen, spezifische Ideen für die jeweilige Stadt zu entwickeln.
